Sinn für Geschmack? Angeboren oder beeinflussbar?

6 Dinge, die unseren Geschmack beeinflussen

„Ist doch Geschmackssache“. Dieser Satz fällt oft bei Diskussionen im Alltag. Aber was ist eigentlich Geschmack? Warum hat jede*r einen anderen? Diese Fragen und mehr werden in diesem Blogartikel beantwortet, denn wir erklären, welche Einflüsse unseren Geschmack prägen, sodass wir alle einen individuellen Geschmack entwickeln.

Geschmack

Von Scharf bis umami – Was steckt hinter unserem Geschmackssinn?

Was wir schmecken wird nicht nur vom Geschmackssinn erfasst, wie man meinen könnte, sondern auch vom Geruchssinn. Auf unserer Zunge befinden sich 2000 bis 5000 Geschmacksknospen, die fünf Geschmacksrichtungen unterscheiden können: süß, salzig, bitter, sauer und umami (würzig).

Unser Geruchssinn kann dagegen unter hunderten Aromen unterscheiden, die beim Kauen freigesetzt werden und über den Rachen von unserer Nase wahrgenommen werden. So können wir zum Beispiel erst durch Kauen eine Kirsche von einer Erdbeere geschmacklich differenzieren. Deswegen ist unser Geschmack auch deutlich eingeschränkt, wenn wir zum Beispiel Schnupfen haben oder uns beim Kauen die Nase zuhalten.

Außerdem spielen unser Tastsinn sowie unser Temperaturempfinden eine Rolle, da durch sie die Konsistenz und Temperatur der Nahrung im Gehirn verarbeitet wird.

Beim Verzehr von scharfen Speisen schmecken wir nicht direkt die Geschmacksrichtung „scharf“. Die Schärfe wird als Schmerz auf der Zunge wahrgenommen, der dem Schmerz beim Verbrennen der Zunge gleichkommt. Zur Schmerzlinderung werden Endorphine ausgeschüttet, durch die wir uns gut fühlen, wenn wir scharf essen – das sogenannte „Pepper-High“.
Je öfter wir scharfe Lebensmittel konsumieren, desto eher gewöhnen wir uns an den Schmerz und desto weniger stark empfinden wir die Schärfe. Daher ist unser Schmerzempfinden ebenfalls am Geschmack beteiligt.

Wie wir schmecken, ist also insgesamt sehr komplex, da sowohl der Geschmacks-, Geruchs- als auch Tastsinn bei der Bewertung eines Lebensmittels entscheidend sind.
Nun stellt sich die Frage, wie sich unser Geschmack entwickelt und warum dieser so individuell ist. Das liegt an verschiedenen Entwicklungen und Gegebenheiten.

Was beeinflusst unseren Geschmack?

1. Unsere Gene

Unsere geschmacklichen Vorlieben sind zum Teil in unserer DNA festgelegt. 50 verschiede Gene beeinflussen unseren Geschmack, der dadurch individuell bestimmt wird. Unser Erbgut gibt vor, wie viele Geschmacksknospen wir auf unserer Zunge haben.
Daher ergeben sich drei Gruppen: die Super-, Mittel- und Normalschmecker, die jeweils unterschiedlich viele Geschmacksknospen auf der Zunge pro cm2 besitzen. Dabei gilt: je mehr von ihnen, desto feiner ist unser Geschmack.

2. Unser Alter

Unsere Fähigkeit zu schmecken nimmt ab, je älter wir werden, da sich zum einen die Zahl der Geschmacksknospen verringert und zum anderen die Funktion der Rezeptoren auf der Zunge abnimmt, die die Geschmacksrichtungen erfassen.

Säuglinge besitzen noch 9000 Geschmacksknospen, doppelt so viele wie ein*e Erwachsene*r. Dementsprechend können Kinder noch viel besser Bitterstoffe schmecken, weshalb sie bittere Nahrung zum Beispiel Kaffee eher nicht zu sich nehmen möchten. Je älter wir werden, desto weniger stark nehmen wir bitter wahr, sodass wir zum Beispiel Kaffee irgendwann mögen.

Unser Alter_Hände

3. Schlucken oder Spucken? Unser Geschmack als angeborene Schutzfunktion

Der Geschmackssinn ist außerdem eine biologisch angeborene Schutzfunktion, mit der wir Nahrung vor dem Schlucken auf ihre Genießbarkeit prüfen. Das war vor allem wichtig, als sich Menschen noch vom Jagen und Sammeln ernährten.

Dabei signalisieren die fünf Geschmacksrichtungen unserem Körper einerseits, dass wir manche Lebensmittel lieber nicht zu uns nehmen sollten. Bei einem bitteren Geschmack könnte es sich um giftige Pflanzen handeln. Saure Lebensmittel weisen auf verdorbenes Essen oder unreife Früchte hin. Deswegen besitzen wir eine angeborene Abneigung gegen saure und bittere Lebensmittel – zum Schutz vor schädlichem Essen.

Andererseits zeigt uns der Geschmack von Essen auch dessen Mehrwert. Süßer Geschmack deutet auf wichtige Kohlenhydrate beziehungsweise Energiequellen hin. Bei umami schmeckenden Lebensmitteln können wir meist tierische oder pflanzliche Proteinquellen erwarten und aus salzigem Essen können wir essenzielle Mineralien für unsere Körperfunktionen gewinnen.

Dementsprechend zeigt uns der Geschmack noch vor dem Schlucken, ob wir von einem Lebensmittel besser die Hände lassen sollten oder es gefahrlos verzehren können.

4. Geschmackssache = Gewöhnungssache

Wenn wir von den generellen Prägungen unseres Geschmacks weggehen, kommen wir auf die persönliche Ebene, auf der ebenfalls unsere geschmacklichen Vorlieben geprägt werden.

Unser Geschmack kann sich verändern, da wir uns an neue Geschmäcker gewöhnen, je öfter wir eine Speise oder ein Getränk zu uns nehmen. Wenn wir wollen, dass uns etwas schmeckt, tut es das auch nach einiger Zeit von dessen Konsum.
Schlussendlich passiert die Bewertung des Geschmacks immer im Kopf. Daher lehnen wir Lebensmittel beispielsweise ab, auf die wir aufgrund von bestimmten Ernährungsweisen wie Veganismus verzichten oder an deren Geschmack wir keinen guten Erinnerungen haben.

Wie erwähnt ist der Geschmack sehr individuell, also ist der persönliche Geschmack nicht gleich guter Geschmack. Was generell als „lecker“ bezeichnet wird, muss nicht allen gleich gut schmecken. Stellen wir uns zum Beispiel vor, dass eine Person am liebsten verbranntes Fleisch isst, weil ihr das Aroma davon besonders gut schmeckt. Dieser Person würde ein normal gegrilltes Steak im Restaurant nicht zusagen. Das bedeutet aber nicht, dass das Steak im Restaurant einen schlechten Geschmack hat, sondern dass es den Vorlieben der Person einfach nicht entspricht.

5. Glutamat in der Muttermilch?!

Bereits in den ersten Monaten der Schwangerschaft entwickelt sich der Geschmack des Fötus. Die Ernährung der Mutter prägt durch das Fruchtwasser maßgeblich die Vorlieben des Kindes, da es sich an die Geschmäcker der Mutter gewöhnt.

Außerdem schmeckt die menschliche Muttermilch süß und umami. Damit wird unsere Vorliebe für diese beiden Geschmacksrichtungen praktisch schon in die Wiege gelegt. Und das wird gerne ausgenutzt.

Die Geschmacksrichtung umami erfassen wir auf der Zunge durch die Aminosäure Glutaminsäure. Kommt dir vom Namen her bekannt vor? Vielleicht ist dir jetzt „Glutamat“ in den Sinn gekommen und damit hast du voll ins Schwarze getroffen. Der Geschmacksverstärker „Glutamat“ ruft für uns den Geschmack umami hervor, was wir seit dem Säuglingsalter als sehr wohlschmeckend empfinden. Kein Wunder also, dass in der Lebensmittelindustrie so viel davon eingesetzt wird...

6. Unsere Kultur und Kulinarik: Welches Gericht verbindest du mit Heimat?

Des Weiteren prägt unsere Kultur maßgeblich unseren Geschmack, da wir durch sie sozialisierte Gewohnheiten annehmen. Wir wachsen mit unserer regionalen Esskultur auf, sodass wir uns an diese gewöhnen. Je öfter wir in der Kindheit ein Gericht essen, desto größer wird unsere Akzeptanz für dessen Geschmack. Außerdem können uns bestimmte Geschmäcker das Gefühl von Heimat, Geborgenheit und Tradition vermitteln.

Kulturen beeinflussen also unseren Geschmack in der Hinsicht, dass wir durch Gewöhnung etwas lecker oder appetitlich finden. Am deutlichsten lässt sich das daran erkennen, dass unsere angeborene Ablehnung von bitterem Essen in vielen Kulturen unterdrückt wird, zum Beispiel beim Konsum von Kaffee und Bier.

Heute vermischen sich die internationalen Küchen immer mehr, sodass ein spannender Austausch an Gerichten und Zutaten stattfindet. Weil wir immer mehr neue Lebensmittel und Speisen probieren können, entwickelt sich unser Geschmack ständig weiter.

Fazit

Wie sich also sehen lässt, ist die Entstehung eines Geschmacks sehr komplex. Mehrere Faktoren – unsere angeborene Schutzfunktion, unsere Gene, unsere Kultur, unsere Mutter sowie unser Alter und Bewusstsein – beeinflussen unsere geschmacklichen Vorlieben. Deswegen besitzen wir alle einen so individuellen Geschmack. Das Argument „Ist doch Geschmackssache!“ gilt dementsprechend auf jeden Fall.

Autorin: Luisa
Hey, ich heiße Luisa, bin Werkstudentin bei gipfelpuls in der Marketingabteilung und schreibe ab und zu Blogartikel. Meine Lieblingsnusskugeln ist definitiv die Sorte himbeer-minze!

Lusia Praktikantin
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